Erkenntnis des Tages...

    • Meine alte Sig lautete: panta rhei ...
      Kurz: Alles fließt.

      Goethe hat daraus ein schönes Gedicht gemacht...
      ...aus den Gedanken des alten Heraklit.


      Dauer im Wechsel




      Hielte diesen frühen Segen,
      Ach, nur Eine Stunde fest!
      Aber vollen Blütenregen
      Schüttelt schon der laue West.
      Soll ich mich des Grünen freuen,
      Dem ich Schatten erst verdankt?
      Bald wird Sturm auch das zerstreuen,
      Wenn es falb im Herbst geschwankt.


      Willst du nach den Früchten greifen,
      Eilig nimm dein Teil davon!
      Diese fangen an zu reifen,
      Und die andern keimen schon;
      Gleich mit jedem Regengusse
      Ändert sich dein holdes Tal,
      Ach, und in demselben Flusse
      Schwimmst du nicht zum zweitenmal.


      Du nun selbst! Was felsenfeste
      Sich vor dir hervorgetan,
      Mauern siehst du, siehst Paläste
      Stets mit andern Augen an.
      Weggeschwunden ist die Lippe,
      Die im Kusse sonst genas,
      Jener Fuß, der an der Klippe
      Sich mit Gemsenfreche maß.


      Jene Hand, die gern und milde
      Sich bewegte, wohlzutun,
      Das gegliederte Gebilde,
      Alles ist ein andres nun.
      Und was sich an jener Stelle
      Nun mit deinem Namen nennt,
      Kam herbei wie eine Welle,
      Und so eilts zum Element.


      Laß den Anfang mit dem Ende
      Sich in Eins zusammenziehn!
      Schneller als die Gegenstände
      Selber dich vorüberfliehn!
      Danke, daß die Gunst der Musen
      Unvergängliches verheißt,
      Den Gehalt in deinem Busen
      Und die Form in deinem Geist.

      Quelle: Projekt Gutenberg - Klassische Literatur Online


      Gleich mit jedem Regengusse

      Ändert sich dein holdes Tal,

      Ach, und in demselben Flusse

      Schwimmst du nicht zum zweitenmal.



      Schön und wahr, oder?
      Zeige dich, wie du bist oder sei, wie du dich zeigst.
      Dschalāl ad-Dīn ar-Rūmī
    • Xardas schrieb:

      Tenerriffa klingt klasse.
      Was genau hast du da gemacht?
      Moin ersma..

      Hm.. ich habe eine Dame begleitet, die auf Grund ihrer Krankheit nicht mehr alleine reisen kann.
      Sie ist an einer Krankheit, ähnlich wie ALS erkrankt.
      Sie hat es mir schonmal erklärt, eine Nervenerkrankung, die sie nach und nach lähmt, nur anders halt wie bei ALS, trotzdem nicht weniger tödlich, nur langsamer.
      Ich weiß nur die Bezeichnung dafür nicht mehr.

      Sie ist mittlerweile die meiste Zeit auf einen Rollstuhl angewiesen und kann zudem kaum noch deutlich sprechen.
      Vorher ist sie immer mit ihren Sohn verreist, aber der ist jetzt 21 und hat seit 2 Jahren keine Lust mehr.
      Zudem kommt, dass sie immer mehr auf Hilfe von außen angewiesen ist, was waschen und Körperpflege allgemein angeht.

      Leute... ich kann das ja so gar nicht und das wäre auch nicht mein Job, ist es bis heute auch nicht, aber ich habe sie als Kundin kennengelernt (bin Gebäudereinigerin als Quereinsteiger , Selbstständig, speziell in privaten Haushalten), da war sie noch etwas fitter.
      Irgendwie wächst man da rein und trotzdem... ich brauchte echt Überwindung meine Berührungsängste zu ignorieren.
      Trotzdem würde ich nicht umschwenken und im Pflegebereich arbeiten wollen, auch wenn er für mich eine sicherere Alternative zu meiner Selbstständigkeit bietet.

      Aber ich habe viel gelernt, insbesondere unsere Städte und generell alles, was Normalos so machen können, mit anderen Augen zu betrachten.
      Vieles ist für Menschen mit Handycap einfach nicht möglich.
      Auch in unserem schönen Hamburg nicht.
      Alleine nur einen Transport zum Flughafen und zurück zu organisieren, ist eine nervenzehrende Kathastrophe, die beim und im HH Flughafen weitergeht, was zB den Transport eine Elektrorollstuhls angeht.
      Schrecklich.. :huh:

      Nunja... nun zu Deiner eigentlichen Frage Xardas.
      Was habe ich gemacht... sie begleitet, organisiert, Lösungen für Probleme gesucht, sie bespaßt in Form von abendlichen Spielen mit Alkoholexzessen (Wein, Coktails :D ), bin mit ihr schwimmen gegangen und habe darauf geachtet, dass die Physiotherapeuten sie verstehen, ich habe ihr bei der Körperpflege geholfen und bin einkaufen gegangen.
      Sonst haben wir auch viele Ausflüge gemacht.
      Sie hat ein Auto gemietet, das ich fahren durfte und wir sind fleißig um und durch die Insel inkl diverser Fußmärsche von meiner Seite. :D Dafür musste der Rollstuhl immer wieder ins Auto rein und wieder raus (wiegt immerhin 40 kg), was auch schon eine Ansage ist.
      Wir sind zusammen essen, haben Märkte und Flohmärkte abgeklappert und sind auch shoppen gewesen.
      Die größte Herausforderung bestand in unseren Ausflügen darin, WC`s für Behinderte zu finden.
      Sie hat einen Euro Schlüssel, speziell für solche (Öffentlichen) Toiletten, aber diese Klos erstmal finden..
      Mittlerweile weiß ich, dass es dafür ein Heft gibt und sogar eine APP.
      Denn selbst als Behindertentoilletten ausgezeichnete WC`s sind oftmals nicht zugänglich für Menschen mit Rollstuhl und wir mussten echt experimentieren, inkl ich mit aufs Klo und gegf Hand anlegen, was ausziehen und festhalten anging.
      Und das, obwohl Teneriffa ideal für Menschen mit Handycap ist.
      Unser Hotel zB ist eigens für Menschen mit Handycap gestaltet, komplett barrierefrei, das Personal darauf geschult, Hilfe zu geben, Zimmer und Bäder mit Rollstuhl befahrbar und sogar ein deutscher Pflegedienst ist dem Hotel angeschlossen.
      Es gehört auch einem Essener, jemanden aus meiner alten Heimat. :)
      Als wir wieder daheim waren, zeigte sie mir den Kilometerstand des Rollis.
      56 km ist sie auf Teneriffe gefahren, die ich immerhin laufen musste.

      Ja... das ist so die grobe Beschreibung.

      Und falls Du Dich fragst, wie ich dazu gekommen bin, sie begleiten zu dürfen...
      Ich hatte irgendwann mal aus Spaß zu Ihr gesagt:
      "falls Dein Sohn mal irgendwann keine Lust mehr haben sollte mit Dir nach Teneriffa zu fliegen, frag mich"
      und im letzten Jahr war es dann soweit.
      Denn ohne Begleitung, geht gar nichts.
      Sie hat alles bezahlt, Flug, Hotel inkl Taschengeld und essen gehen.
      Ich brauchte nicht einen Cent mitzunehmen und das für 16 Tage.

      So etwas kann man sogar offiziell machen, also behinderte Menschen bei Reisen begleiten, ehrenamtlich.
      Es gibt Organisationen, die vermitteln sowas , falls man daran ein Interesse hat.

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      Wenn Dir das Leben mal wieder einen Tritt in den Hintern gibt,
      dann nutze den Schwung um weiterzukommen.

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