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    Unser Krieg
    Der Präsident Russlands ist verrückt? Das glaubt ihr vielleicht. Er und seine Anhänger glauben das nicht. Jede und jeder in Europa muss wissen: Es geht hier um…
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    Unser Krieg

    Der Präsident Russlands ist verrückt? Das glaubt ihr vielleicht. Er und seine Anhänger glauben das nicht. Jede und jeder in Europa muss wissen: Es geht hier um uns alle, ganz persönlich.

    Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung von Wladimir Sorokin 22. April 2022

    Die zivilisierte Welt erklärt sich den von Putin entfesselten Krieg als Rache des Diktators an den freiheitsliebenden Ukrainern, die nicht unter Russlands Einfluss und nach dessen Maßgaben leben und sich entwickeln mögen. Doch sind noch mehr verborgene Bedeutungen darin enthalten.

    Erstens ist es ein Krieg gegen Kiew, das in den alten russischen Chroniken als Mutter der russischen Städte figuriert. Es ist älter als Moskau, es ist die Quelle aller russischen Geschichte, die wie ein Fluss aus ihm hervorfließt. Von Skandinaviern gegründet, hat Kiew stets mehr nach dem europäischen Westen als nach dem Osten geschielt, wo im Mittelalter der Einfluss der nomadisierenden Goldenen Horde vorherrschend war.

    Mitte des 16. Jahrhunderts hat Zar Iwan, der Schreckliche, seine Herrschaft nach mongolisch-byzantinischem Muster errichtet. Er überfiel das freie Nowgorod, zuvor Hauptstadt einer Republik, welcher schon sein Großvater Iwan III. den Garaus bereitet hatte. Kiew gehörte zu der Zeit bereits zur polnischen Rzeczpospolita. Seither hat sich in Russlands Weiten dieses mongolisch-byzantinisch geartete pyramidale Herrschaftssystem mit einem absolutistischen Monarchen an der Spitze etabliert. Von unten her war die Pyramide undurchschaubar und erweckte Angst statt Ehrfurcht. Die Herrscher traten ihrer Bevölkerung gegenüber wie eine Besatzungsmacht auf. Wie es noch heute in Putins Russland der Fall ist. Die Sowjetmacht war ein schonungsloser Okkupant im eigenen Land, Putins Regierung setzt diese Tradition erfolgreich fort.

    Jetzt bombardiert die Vergangenheit die Zukunft

    Der Krieg, den Putin der Ukraine erklärte, muss auf den ersten Blick absolut verrückt erscheinen – uns allen erscheint er so. Doch für Putin und seine Entourage sieht das ganz anders aus: In Gestalt der modernen Ukraine kämpft er gegen die Kiewer Rus als ein prowestlich orientiertes Land, das nach Putins Sicht der Dinge das mongolisch-byzantinische Russland von heute bedroht – durch die Tatsache seiner Existenz. Am schrecklichsten für Putin ist, dass praktisch alle Ukrainer Russisch reden. Er hat die „Entnazifizierung und Entmilitarisierung der Ukraine“ zum Ziel seiner „Spezialoperation“ erklärt, und er hat folgerichtig nicht nur das ukrainische Staatswesen, sondern – die schrecklichen Vorgänge in Butscha, Mariupol, Borodjanka und anderswo zeigen es – die Ukrainer selbst als die Erben der prowestlichen Kiewer Rus zu liquidieren vor.

    Zweitens ist es ein Krieg der Vergangenheit gegen die Zukunft. In den langen Jahren, seit Putin an der Macht ist, versackte Russland heillos in seiner eigenen Vergangenheit. In ihr ist es gewissermaßen in ein Neues Mittelalter eingetreten: Im Kreml sitzt ein despotischer Zar auf dem Thron, umgeben von neuen Feudalherrn, den Oligarchen in ihren Mercedes, bewacht von den neuen, mit iPhones ausgestatteten Opritschniki; dazu ein eingeschüchtertes, aller demokratischen Freiheiten beraubtes Volk.

    Die Ukraine, die seit der Volksrevolution von 2014 ein demokratischer Staat zu werden im Begriff war, hat sich endgültig von Russland gelöst und auf eine Orientierung nach Europa festgelegt, in der sie ihre Zukunft sieht. Putin wiederum muss in Selenskijs Ukraine ein kleines Modell sehen für ein Russland, das sich, o Graus, in Richtung Zukunft bewegt. Russland darf aber keine Zukunft haben! Zweiundzwanzig Jahre lang hat Putin nichts anderes getan, als sein Land in die Vergangenheit zurückzuzwingen. Dass er ihr die Staatshymne der Sowjetunion wiedergab, ist dafür nur ein Symptom. Jahr für Jahr hat er mehr demokratische Rechte und Institutionen abgeschafft, er hat das Land um reguläre Wahlen und unabhängige Gerichte gebracht, das Fernsehen zur Propagandamaschine gemacht, ein korruptes, autoritäres Beamtentum zur staatlichen Notwendigkeit erklärt.

    Auf den Schlachtfeldern der Ukraine ereignet sich also ein Krieg der Zeiten, in dem die Zukunft von der Vergangenheit bombardiert und mit Raketen beschossen wird und heroischen Widerstand leistet.

    „Habt ihr Kiew schon eingenommen?“ – „Nein, aber eine Waschmaschine“

    Diktatoren haben allzeit versucht, das Rad der Geschichte zurückzudrehen, darin ist Putin nicht neu. Aus der „guten alten“ Vergangenheit hervor ist es für ihn am einfachsten zu regieren und sich an der Macht zu halten. Die Aussicht, dieses ukrainische Modell könnte Schule für ein neues Russland machen, die russischen Bürger mit dem Bazillus einer neuen, putinfernen Zukunft infizieren, schreckt den Zaren im Kreml zutiefst, versetzt ihn in helle Wut. Auch seine Armee ist ein Instrument der Vergangenheit, ausgerüstet nicht nur mit alter sowjetischer Technik, sondern auch mit dem Kommandostil jener Zeit, der alten Strategie, den Weg zum vermeintlichen Sieg mit den Leichen der eigenen Soldaten zu pflastern. Darum ist dieses Riesenheer bislang wenig effektiv gegen die viel kleinere, doch besser organisierte, ihre Heimat verteidigende Armee der Ukraine geblieben, ist ihr im Kampf immer öfter unterlegen. Die Putin’sche Armee ist mehr aufs Plündern versessen, Freibeuterei ist hier praktisch legalisiert, worüber man bereits Küchenwitze reißt: „Wie siehts aus, habt ihr Kiew schon eingenommen?“ – „Kiew noch nicht.“ – „Was dann?“ – „Eine Waschmaschine, eine Mikrowelle, eine Teflonpfanne, ein Paar Socken …“

    Fragt man ukrainische Militärs, was vor allem ihre Armee von der russischen unterscheidet, dann ist es der Verzicht auf das sowjetische Prinzip der sklavischen Unterordnung, das Befehle von oben diskussionslos zu befolgen zwingt, so idiotisch sie immer sein mögen. Ein solcher war die Anweisung, im verseuchten Roten Wald von Tschernobyl Gräben auszuheben. Nach dem Krieg werden die armen russischen Teufel den inhumanen Idiotismus dieses Befehls auszubaden haben.

    Der Hass auf die freie Ukraine ließ Putin, der Russland nach den Ratschlüssen Iljins, eines Ideologen des russischen Nationalsozialismus, „einzufrieren“ im Begriff war, nicht ruhen. Erst entwendete er ihr die Krim, dann löste er in ihrem Osten einen hybriden Krieg aus, der für die Ukraine zur schwärenden Wunde wurde. Nun dieser vollumfängliche Krieg mit Panzerattacken, Raketenschlägen, barbarischen Bombenabwürfen auf Wohngebiete, Mord, Folter und Vergewaltigung, verübt an einer friedlichen Bevölkerung. Und alles nur, um die freie Entwicklung der Ukraine, ihre Zukunft, zu verhindern, sie zu erobern und in einer Vergangenheit mit Russland einzufrosten.

    Drittens, schließlich, ist dies ein Krieg der Kulturen. Notorisch pflegte Putin die Ukraine in seinen Auftritten als „gescheiterten Staat“ und die ukrainische Sprache als Dialekt der russischen zu bezeichnen. Kern der „Entnazifizierung“ in Putins Verständnis ist nicht der Kampf gegen die Schimäre eines ukrainischen Nazismus, sondern die Aberkennung der nationalen Souveränität schlechthin. Eine eroberte Ukraine könnte man zwingen, ausschließlich Russisch zu sprechen, ihre Kultur, Geschichte, ihre nationalen Gebräuche aufzugeben. Und das, obwohl die ukrainische Kultur genauso alt wie die russische ist. Iwan Wyschenskyj, Meletij Smotryzkyj, Theophan Prokopowitsch, Iwan Kotljarewskyj, Taras Schewtschenko – das ist die Blüte der alten, der klassischen ukrainischen Literatur. Vom herausragenden ukrainischen Philosophen Hrihorij Skoworoda stammt die berühmte Maxime, die auch auf seinem Grabstein geschrieben steht: „Die Welt hat mich gejagt, doch nie gefangen.“ Da war die russische Philosophie noch ganz in den Anfängen. Und es waren ukrainische Sänger, die die Notenschrift auf fünf Linien im 17. Jahrhundert aus Europa nach Moskau mitbrachten.

    Die Vernichtung der ukrainischen Kultur, die Russifizierung der Ukrainer – das ist ein weiteres Ziel der „Spezialoperation“.

    Kiew, die Mutter der russischen Städte, zu bombardieren, ist wie ein Schuss ins eigene Bein

    Für diesen Feldzug von hoher Symbolkraft haben Putin und sein Team ein paar neue Embleme erfunden: das V und das Z. Sie sind auf die Tanks und Panzerwagen gemalt, die ins Land einfallen. Zunächst war ihre Ausdeutung profan: dem westlichen (Z) oder östlichen (V) Heeresbezirk zugehörig. Doch Putins Propaganda verfiel auf ganz eigene Ideen, um der Bevölkerung ihren ideologischen Zweck nahezulegen: V meint demnach „Vperjod!“ – Vorwärts! Und Z: „Za Rodinu! Za Putina!“ – für Putin und fürs Vaterland.

    Doch nach dem Scheitern des Blitzkriegs (Putin hatte Kiew binnen drei Tagen einnehmen wollen) und den offensichtlichen Rückschlägen, als Putins Kriegsmaschine festfuhr, wurden die zwei Lettern in den sozialen Medien immer mehr zum Gegenstand von Kritik und Häme. Die Gräueltaten der russischen Militärs in den okkupierten Gebieten ließen viele an Hitlers Besatzerregime im Zweiten Weltkrieg denken, und schnell sah man in dem Z das alte Hakenkreuz – in halbierter Form. Die Invasionstruppen in ihrer Anfälligkeit und Ungelenkheit regten an zu düsteren Buchstabenwitzen der Art, dass Vampire und Zombies aus Russland ihren Kriegsdienst auf ukrainischem Boden tun – sinnlos brutal gegenüber der Bevölkerung, gleichgültig gegenüber dem eigenen Tod. Mittlerweile hat das Z das V aus dem Feld geschlagen und ist zum alleinigen Symbol dieses wahnwitzigen Krieges geworden. Es wird an die Fassaden öffentlicher Gebäude in Russlands Städten gehängt; Schulkinder müssen „zur Unterstützung unserer Armee“ in Z-Formation auf dem Schulhof antreten. Das Z prangt von Stickers, T-Shirts, Plakaten und Autoheckscheiben, und es wird den Oppositionellen zur düsteren Warnung an die Wohnungstüren geschmiert.

    Es steht außer Frage, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine für jeden normalen Menschen der blanke Wahnsinn und mit nichts zu rechtfertigen ist. Kiew, die Mutter der russischen Städte, zu bombardieren ist für Russen wie ein Schuss ins eigene Bein. Dieser Schuss, ausgeführt auf Befehl eines außer Rand und Band geratenen Diktators, könnte für Russland schicksalhafte Folgen haben.

    Dieser Krieg ist nicht nur reich an Symbolik, er zeugt auch unentwegt Analogien. So etwa die Versenkung des Kreuzers Moskwa, des Flaggschiffs der Schwarzmeerflotte, die unweigerlich an den Untergang eines anderen russischen Flaggschiffs, der Petropawlowsk im Jahr 1904 (und auch da im April!), zu Beginn des Russisch-Japanischen Krieges, erinnert. Auch damals zeigte sich Russland auf vergleichbare Weise vom eigenen Krieg überfordert; eine korrupte Militärbürokratie musste letztlich eine schmähliche Niederlage einstecken, worauf die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Zarengewalt sprunghaft anwuchs, sich hineinsteigerte in die Revolution von 1917, mit der die Romanow-Dynastie an ihr Ende kam.

    Heute wird die Vernichtung eines solchen Schiffs, das den schillernden Namen der Metropole des russländischen Staates trug, das über verschiedenste Luftabwehrsysteme verfügte, mit denen es seiner Flotte Deckung zu geben versprach, und auf dem nun zwei ukrainische Raketen einschlugen, von beiden Seiten als zeichenhafter Vorgang gesehen. Die Ukraine hat bereits eine Briefmarke mit der Abbildung des versenkten Kreuzers ediert. In Russland hat das Ereignis eine Welle flammenden Zorns bei patriotischen Militaristen und TV-Propagandisten ausgelöst – sie schreien nach Rache um jeden Preis und wollen es mit dem Einsatz von Atomwaffen vergolten sehen.

    Vielen Russen ist das Wort Sieg schon sauer auf den Lippen geworden

    Putin möchte den Krieg unbedingt bis zum 9. Mai gewonnen haben, um an dem Tag eine Siegesparade abhalten zu können. Eine Niederlage, das weiß er, würde ihm weder von der militaristischen Lobby noch vom eigenen, durch die Fernsehpropaganda zugerichteten Volk verziehen. Doch das Phantom des „großen Sieges über den ukrainischen Nazismus“ schmilzt dahin, mit jedem Tag mehr. Wie zu Zeiten des Russisch-Japanischen Krieges kommt die in der russischen Armee herrschende Korruption den ukrainischen Kämpfern entgegen. Der Zustand der Kriegstechnik gibt zur Hoffnung Anlass: Vieles davon ist nicht vorhanden, weil geklaut, die Soldaten werden mit überlagerten Verpflegungspaketen abgespeist. In sechs Kriegswochen vermochten die Russen keine einzige größere Stadt einzunehmen. Mariupol ist durch barbarischen Beschuss und Bombenwürfe praktisch dem Erdboden gleichgemacht, doch seine Verteidiger halten sich immer noch standhaft.

    Vielen Russen ist das Wort Sieg inzwischen sauer auf den Lippen geworden, immer mehr werden von der Depression erfasst. Mit Putins Feldzug gerät auch die Propagandamaschine ins Stocken. Reihenweise Särge treffen ein mit jungen Russen, die ihr Leben hingaben zu immer fragwürdiger erscheinenden Zwecken. „Es riecht nach Februar 1917“, so liest man in den sozialen Medien.

    Dem eigenen Heldenmut und der Unterstützung annähernd der ganzen zivilisierten Welt ist es zu verdanken, dass die Ukrainer zunehmend Siege erringen. Das russische Militär reagiert darauf mit wachsender Brutalität gegenüber der zivilen Bevölkerung, die auch die eigenen Leute verblüfft und schockiert: Wie ist das möglich? Wieso sind wir zu so etwas fähig? Meine Antwort: Es ist in uns seit urdenklichen Zeiten. Schon im Mittelalter, Mitte des 16. Jahrhunderts, als Iwan der Schreckliche sein Land wie ein Besatzer zu regieren beschloss, konnte er sich auf die Gnadenlosigkeit seiner Leibgarde, der Opritschnina, verlassen. Im Jahr 1570 unternahm er einen Straffeldzug gegen das westlich orientierte Nowgorod, lynchte die wohlhabenden Bürger und deren Familien, raubte die Stadtkasse aus. Die zuvor blühende Stadt war praktisch vernichtet, von Leichen übersät. Auf dem Rückweg zogen die Truppen des Zaren marodierend übers Land, setzten Dörfer in Brand, stachen das Vieh ab, erschlugen die Bauern. Dies galt als taktisches Mittel.

    In Anbetracht dessen, dass die Opritschnina nie bewältigt, nie offiziell gebrandmarkt wurde und daher ins kollektive Unbewusste des Volkes verdrängt worden ist, dort bis heute umgeht, kann die Grausamkeit, mit der die russischen Truppen in der Ukraine vorgehen, nicht verwundern. Der Opritschnik ist in jedem Putin’schen Soldaten wiedererwacht. Er sieht in der Ukraine den Verräter, er übt die Art Vergeltung, die dafür vorgesehen ist. Im zerstörten Butscha, wo friedliche Bewohner zu Dutzenden hingerichtet wurden, hat ein Putinbesatzer an der Fliesenwand eines Hauses eine Inschrift hinterlassen: „Wer hat euch ein schönes Leben erlaubt?“ Dieser Satz beweist es: Die Opritschnina lebt.

    Zar Putin, er ist der Hool aus der Metro, der auf die Fahrgäste losgeht

    Dem Westen, der sich seit 22 Jahren fragt: „Who is Mr. Putin?“, dämmert nun endlich, mit wem er es zu tun hat. Er ist zur aktiven Unterstützung der Ukraine übergegangen. Besser spät als nie! Aber wer ist dieser Mann denn nun wirklich, der Europa im 21. Jahrhundert diesen sinnlosen blutigen Krieg aufgezwungen hat?

    Im Jahr 1967 drehte Larry Peerce seinen Film „The Incident“. Darin beginnen zwei Hooligans in einem Abteil der New Yorker Metro die Fahrgäste zu belästigen, die bloß versuchen, sich von ihnen fernzuhalten, bis die nächste Gelegenheit zum Aussteigen erreicht ist. Da ihnen also keiner Einhalt gebietet, werden die Hools immer dreister, drohen mit Messern, gehen über zu physischer Gewalt. Anschaulich demonstriert Pearce die Psychologie des Straßengangsters: Er tut, was die Leute ihm erlauben. Solange er nicht gestoppt wird, treibt er das Spiel immer weiter. Am Ende ist es im Film ein Einzelner, der sich den Tätern entgegenstellt und dem Grauen ein Ende bereitet.

    Putins Erzieher waren anfangs die Straße und der Judosaal, später der zynische, grausame KGB. Der Mann verhält sich dem Westen gegenüber eindeutig wie ein Hool. Er hasst die transparente westliche Demokratie; als Underdog aus misslichen Verhältnissen hasst er den intelligenten, gut gekleideten College Boy. Dieser Hass liegt Putin im Blut. In einer Arbeiterfamilie aufgewachsen, durchlief er in den 1990ern die Schule des kriminellen Kapitalismus und geriet durch eine fantastische Verkettung von Umständen an die Spitze der Macht in einem riesigen Land mit totalitärer Vergangenheit. Im Laufe zweier Jahrzehnte hat Putin dem Westen auf jede erdenkliche Weise seine Verachtung demonstriert. Der höfliche Westen schaute zur Seite, verbarg sich hinter der Zeitung, so wie die Fahrgäste in dem Metroabteil. Krieg und Landnahme in Georgien, Annexion der Krim, Krieg im Osten der Ukraine, Aufhebung demokratischer Freiheiten in Russland, Verfolgung Andersdenkender, Ermordung oppositioneller Politiker – all dies ging Putin leicht von der Hand.

    Erst der jetzige, dreist und gnadenlos entfachte Krieg im Herzen Europas hat den Westen aus der Contenance gerissen. Die Europäer haben ihn begriffen als Infragestellung ihrer Prinzipien, ihres Fundaments. Den westlichen Politikern ging auf, dass Putin nicht nur gegen die Ukraine Krieg führt, sondern gegen die westliche Welt im Ganzen. Sie schauten endlich hin bei dem, was geschah. Eine Welle nie da gewesener Sanktionen bricht über Russland herein, die seine Wirtschaft ernstlich ins Wanken bringt.

    Die Ukraine kämpft um ihre Zukunft und die Zukunft Europas. Jeder Europäer sollte das wissen. Würde die Ukraine unterliegen, wäre den dunklen Kräften der Vergangenheit die Chance in die Hand gegeben, Europa nachhaltig zu verändern, den Geist des Neuen Mittelalters einzuschleppen, es wirtschaftlich zu schädigen und moralisch zu verderben. Ein Sieg der Ukraine hingegen könnte das Putin’sche System im Ganzen, seine finstere, unheilvolle Machtpyramide, an der er zweiundzwanzig Jahre gebaut hat, zum Einsturz bringen.

    Europa muss der Ukraine zum Sieg verhelfen – Europa muss Europa verteidigen.

    Wladimir Sorokin
    geboren 1955 in Bykowo bei Moskau, gilt als der bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller Russlands. Zuletzt erschien von ihm „Die rote Pyramide“ bei Kiepenheuer & Witsch. Aus dem Russischen von Andreas Tretner.

    Ein Tempolimit aber wäre ein wichtiger Teil gewesen, dazu beizutragen.

    Absolute Zustimmung ... ich war zugegeben ziemlich enttäuscht, dass das Thema so schnell aus den Koalitionsverhandlungen rausgeflogen war. Und jetzt noch der Spritpreiszuschuss - mehr als kontraproduktiv.

    Nicht, dass das irgendwas besser macht, aber, ich weiß nicht mehr wo und von wem, ich habe vor ein paar Tagen gehört oder gelesen, dass wohl jede Nation ihre "legale Unvernünftigkeit" hat.

    Die Deutschen ihr Tempolimit.

    Die Amis ihre Waffen.

    Die Spanier ihren Stierkampf.

    Die Holländer das Cannabis (wobei wir das ja wohl demnächst auch noch dazubekommen ...).

    ...

    Falls jemand Interesse hat:

    "Homöopathie neu gedacht" von Nathalie Grams im epub-Format - würde ich "verleihen".

    Ich weiß leider nicht mehr, wem ich die Papierversion geliehen habe ...

    Jacob Rees-Mogg, Minister für Brexit-Angelegeheiten (sinngemäß):


    "Wir wären nicht in der Lage, die Probleme zu lösen, die durch den Brexit entstanden sind, wenn wir noch in der EU wären ...!"


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